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Tipps bei negativem Gutachten

Vorbemerkung

Wie verhalte ich mich, wenn ich schon ein negatives Gutachten habe? Lassen Sie mich mit einer lästigen Bemerkung beginnen und ich verspreche Ihnen, sie ist auch sogleich abgetan. Einen solchen Fall wollen Sie vermeiden, indem Sie rechtzeitig die erforderlichen Schritte tun, sich also vernünftig vorbereiten. Sie finden auf dieser Website genügend Informationen, wie Sie das tun können, etwa auf den Seiten „10-Punkte Programm zum Führerschein“ oder „Eigeninitiative“ und haben es somit selbst in der Hand, die Wahrscheinlichkeit der ‚Katastrophe‘ zu minimieren. Nachdem aber viele der Besucher diese Site vermutlich erst nach der Begutachtung lesen – und vielleicht gehören Sie dazu –, und nachdem natürlich niemand, auch ich nicht, ein positives Gutachten garantieren kann, ist es doch wichtig, dass es Ihnen gelingt, das Beste aus der sicherlich betrüblichen Situation zu machen.

Glücklicherweise hat die Psychologie neben dem Ärger, den sie Ihnen vielleicht soeben in Form einer MPU bereitet hat, auch wertvolle Arbeit geleistet und Wege aufgezeigt, wie man aus einer emotional belastenden Situation herauskommt. Wir wollen uns diese Weg ansehen und prüfen, inwieweit sie für Sie von Nutzen sind.

Wenn ich Ihnen nachfolgend einige Schritte aufzeige, nehmen Sie sich bitte die Freiheit, die Reihenfolge je nach Ihrem Befinden abzuändern. Entscheidend ist, dass Sie wieder Kraft und Ruhe finden und die nötige Abgeklärtheit, jetzt das Richtige zu tun. Ich helfe Ihnen dabei, hier auf dieser Seite und natürlich, wenn Sie mich anrufen und wir uns – etwa in einer Sprechstunde – persönlich sehen.

Wege aus dem Dilemma

1. Ruhe bewahren

Wer wollte leugnen, dass ein negatives Gutachten im ersten Augenblick als Schock wirken mag und tiefe Gefühle von Frustration, von Verzweiflung, von Wut, Angst oder Trauer auslösen kann? Denn man war doch mit der Erwartung in das Gespräch gegangen, eine Chance zu erhalten, den Gutachter von den besten eigenen Absichten zu überzeugen; ja zumeist war im Interesse der ersehnten Fahrerlaubnis die eine oder andere Änderung auch schon eingeleitet worden.

Wenn Sie ein negatives Gutachten erhalten haben, besteht Ihr wichtigster erster Schritt darin, Ruhe zu bewahren. Vermeiden Sie Gefühle von Panik und nehmen Sie sich einen Moment Zeit für sich und Ihren seelischen Zustand. Stoppen Sie, wenn Ihnen das möglich ist, fatalistische Gedanken und geben Sie gefährlichen Negativemotionen keinen Raum. Alles, was Sie jetzt tun, wollen Sie mit klarem Kopf und Herz tun.

2. Abstand gewinnen

Ihr nächster Schritt kann darin bestehen, sich von dem Text (oder auch dem in der Begutachtung Erlebten) zu distanzieren. Sie können dies räumlich tun, indem Sie das Gutachten zur Seite legen und den Raum verlassen. Sie können es mental tun, indem Sie Ihre Gedanken auf etwas konkret Positives richten und Sie können es emotional tun, indem Sie Ihr Gefühl aus der Sache herausnehmen, sich innerlich entfernen. Alles, was Ihnen hilft, Abstand zu gewinnen, dürfen Sie jetzt für sich in die Waagschale werfen, denn erst, wenn Sie den ersten Schock gedanklich und emotional überwunden haben, sind Sie bereit, sich langsam an das Gutachten und seinen Inhalt heranzutasten, ohne Ihre Seele zu belasten oder zu verletzen. Sie gewinnen auf diese Weise ein wichtiges Moment an Kontrolle zurück, denn Sie alleine entscheiden, wann es Zeit ist, den Text an sich heranzulassen.

3. Keine unüberlegten Handlungen und kein Griff zum Alkohol

Vermeiden Sie es, im ersten Affekt etwas zu tun, was Sie später bereuen könnten. Bleiben Sie so lange bei sich und unternehmen Sie nichts, bis Sie Ihre Fassung wieder gewonnen haben und wissen, dass Sie sich auf sich selbst verlassen können. Denken Sie daran, dass Dinge, die anfänglich aussichtslos erscheinen, später oft ganz anders sich gestalten können. Wenn es Ihnen hilft, geben Sie sich selbst einfache positive Botschaften der Art: „Ich schaffe das!“ oder: „Ich werde auch damit fertig!“ oder: „Ich werde von jetzt ab alles richtig machen!“

Vielleicht hat sich in Ihnen ein Gefühl von Wut oder Trotz gemeldet und vielleicht hätten Sie Lust, sich einfach zu besaufen. Tun dies das nicht! Diesen Triumph dürfen Sie dem Gutachter nicht gönnen. Natürlich steht Ihnen – wie jedem Menschen – frei, soviel oder sowenig Alkohol zu trinken, wie Sie wollen, doch Sie werden es dem Gutachten nicht erlauben, diesen Zeitpunkt für Sie zu bestimmen. Wenn es Ihnen in den eigenen vier Wänden zu eng wird und Sie den Wunsch verspüren, etwas zu unternehmen, habe ich einen neuen Vorschlag für Sie.

4. Mit einem Freund oder Angehörigen sprechen

Wer von denen, die Ihnen nahestehen, kann Ihnen jetzt Trost spenden? Gehen Sie Freunde oder Familienangehörige in Gedanken durch und zögern Sie nicht, den Betreffenden anzurufen. Sollten Sie nach der Rückmeldung des Gutachters bereits mit einem negativen Gutachten rechnen, ist es eine gute Idee, den Auserwählten bei sich zu haben, wenn Sie das Kuvert öffnen. Bitten Sie ihn andernfalls, zu Ihnen zu kommen und sprechen Sie mit ihm über den Vorfall, über das, was Sie erlebt haben, was Sie empfinden und was Sie tun sollen. In diesem vertrauten Gespräch können Gefühle, die Sie bis jetzt zurückgehalten haben, ins Bewusstsein dringen und wenn Sie den Wunsch haben, Ihren Ärger herauszulassen, dann tun Sie das. Ihr Freund oder Angehöriger ist bei Ihnen und kann Ihnen beistehen.

5. Etwas tun, was einem gut tut

Wenn der erste Ärger so sich hat ausdrücken dürfen und Sie sich, nachdem Sie ‚Dampf‘ abgelassen haben, etwas besser fühlen, sind Sie bereit, noch mehr für sich und Ihr Gemüt zu tun. Gehen Sie spazieren oder – wenn Sie sportliche Neigungen haben – laufen, ins Fitness-Studio oder suchen Sie die Sauna oder ein Kino auf. Egal, was es ist: gönnen Sie sich für die Enttäuschung, die Sie erlebt haben, etwas Positives. Auch eine Tafel Schokolade wird Ihnen jeder Arzt verzeihen, denn Sie brauchen jetzt etwas, was Sie aufbaut, was Ihnen Trost und seelische Kraft geben kann.

6. Professionelle Hilfe

Möglichst bald – und warum nicht bereits jetzt? – sollten Sie professionelle Hilfe suchen, d.h. Kontakt mit einem Verkehrspsychologen aufnehmen. Dass auch er ein Psychologe ist, muss Sie nicht bekümmern, denn er ist auf alle Fälle auf Ihrer Seite, Ihr Dienstleister. Sie benötigen, um weitere Klarheit zu gewinnen, wertvolle Informationen und wollen so früh wie möglich den richtigen Weg einschlagen. Rufen Sie also mich oder einen Kollegen an und bitten Sie um eine Sprechstunde. Dort kann alles Weitere in Ruhe besprochen werden. Der Anruf wird Ihnen gut tun, denn nun wissen Sie, dass Sie selbst begonnen haben, wieder anzugreifen, die Dinge in Ordnung zu bringen.

7. Das Lesen des Gutachtens

Es mag sein, dass Sie vorab bereits das Gutachten lesen wollen. Dagegen spricht nichts, doch würde ich Ihnen gerne ein paar Tipps mitgeben. Lesen Sie das Gutachten erst, wenn Sie sich innerlich stark und dazu bereit fühlen. Identifizieren Sie sich nicht mit jedem einzelnen Satz, sondern versuchen Sie, das für Sie Wesentliche aufzunehmen. Gerne können Sie dabei ein paar Fragen im Auge behalten:

  1. a. Was habe ich in der MPU gut gemacht und was nicht so gut?
  2. b. Was will der Gutachter mir sagen und warum wurde das Gutachten negativ?
  3. c. Gibt es am Ende des Gutachtens Empfehlungen, die mir weiterhelfen können?

Sollten Sie beim Lesen spüren, wie in Ihnen Gefühle von Ärger oder Hass aufsteigen, legen Sie das Gutachten sofort beiseite. Sie haben immer die Möglichkeit, gemeinsam mit einem Verkehrspsychologen das Ganze durchzugehen und sich dabei Hintergrundinformationen geben zu lassen, die Ihnen als Laie nicht vorliegen. Denn aus den Textpassagen, die oft schematisch gefasst sind und Ihrer Situation nicht hundertprozentig entsprechen müssen, kann der Fachmann bedeutsame Feinheiten herauslesen. Auch kann er Ihnen mit größerer Sicherheit sagen, wo Sie sich gut geschlagen haben und was letztlich zum negativen Gesamturteil führte.

8. Information

Wenn Sie sich also an das Gutachten herangetraut haben, werden Sie eine Reihe von Fragen haben und so mag es Ihnen durchaus helfen, sich vielseitig zu informieren. Ich denke, alleine auf dieser Website werden Sie reichliche Auskünfte erhalten. Selbstverständlich können Sie auch diverse Internetforen durchforsten oder Ihren Wissensdurst auf andere Weise stillen. Achten Sie aber darauf, dass nicht jede dieser Quellen gleich zuverlässig ist und Sie einen noch vielversprechenderen Weg haben, an die auf Ihren Fall zutreffenden Fakten heranzukommen. Das bereits empfohlene Gespräch mit einem Verkehrspsychologen in einer ausführlichen Erstbesprechung (Sprechstunde) wird Ihnen rasch ein klareres und zuverlässiges Bild von Ihrer Lage geben und Ihnen die erforderlichen Schritte für eine erfolgreiche MPU aufzeigen können.

9. Akzeptanz, Versöhnung und Neubeginn

Die vielleicht wichtigste seelische Herausforderung liegt freilich noch vor Ihnen, und warum lassen Sie sich dabei nicht fachlich leiten? Akzeptieren Sie das Gutachten, stellen Sie sich dem Misserfolg, versöhnen Sie sich mit der Vergangenheit und machen Sie sich auf zu einem Neubeginn.

Was sich so rasch niedergeschrieben hat, ist in Wirklichkeit ein komplexer seelischer Prozess. Er muss nicht geradlinig verlaufen, sondern mag Ihr Denken und Fühlen ordentlich durcheinander würfeln. Viele Klienten haben mir davon berichtet, dass sie im Laufe der Durcharbeitung der Vergangenheit (des Gutachtens) sich zu Zeiten gut und zuversichtlich gefühlt haben, nur um in anderen Augenblicken in den alten Schmerz, die Enttäuschung oder Trauer zurückzufallen. Lassen Sie sich von diesem Wechselbad der Gefühle nicht entmutigen! Akzeptieren Sie auch diese betrüblichen Momente, denn es ist die Zeit gekommen, das Erlebte ins Bewusstsein zu heben und dort zu lösen. Auch jetzt dürfen Sie eine bewährte Technik einsetzen, die ich Ihnen oben bereits vorgestellt habe. Belohnen Sie sich in den Momenten der Sorge mit etwas, das Ihnen gut tut. Wenn Sie wollen, schreiben Sie ein Tagebuch und vertrauen Sie ihm Ihre Gedanken und Empfindungen an. Versöhnen Sie sich mit dem, was war, dann sind Sie bereit zum nächsten Schritt.

Wir alle wissen, dass sich die Vergangenheit nicht ändern lässt, doch wir alle haben erlebt, dass wir unterschiedlich gestärkt und gereift aus ihr hervorgehen können. Negativerfahrungen, so schmerzhaft sie sein mögen, enthalten immer auch den Quell zur Veränderung. Es ist der Natur jedes biologischen Organismus und damit uns Menschen vorgegeben, aus Fehlern zu lernen und diese Fähigkeit haben wir alle zu unterschiedlichen Zeiten erfolgreich eingesetzt. Auch Sie können Ihr Schicksal in die Hand nehmen und zum Guten wenden.

Wenn Ihre Seele auf die beschriebene Weise von der belastenden Vergangenheit Abschied genommen hat, wenn Sie sich mit dem Vorfall selbst und dem negativen Gutachten versöhnt haben und den Blick nach vorne richten, wird in Ihnen der Wunsch nach einem Neubeginn auftauchen. Sie werden diesen Moment spüren und auch die Kraft, die aus ihm erwächst. Halten Sie diesen Augenblick fest und formulieren Sie aus ihm heraus ihr Ziel. Stellen Sie sich vor, wie schön es sein wird, ein positives Gutachten zu erhalten und autozufahren. Und entscheiden Sie sich dann dafür, loszugehen. Gehen Sie mit dem Bewusstsein, dass nichts mehr Sie aufhalten kann.

10. Vertrauen Sie sich selbst

Auf diesem Weg in die Zukunft möchte Sie die verkehrspsychologische Beratung gerne begleiten. Vieles, was Sie dort lernen, wird Ihnen zusätzliche Sicherheit verleihen. Eines der schönsten Geschenke, welches die Natur der menschlichen Seele mitgegeben hat, ist Selbstvertrauen: der Glaube an sich, das eigene Können und die eigene Stärke. Es gehört zu den glücklichen Augenblicken der verkehrspsychologischen Beratung zu sehen, wie Menschen, die an sich arbeiten und ehrlich den Weg der Rehabilitation beschreiten, neuen Mut und neue Zuversicht fassen. Mit jedem Tag auf diesem Weg, mit jeder Sitzung, die das gemeinsame Ziel festhält, schreitet auch die Seele des Klienten voran und diese Wandlung wird mehr als alles andere in der Begutachtung wirken. Menschen, die wissen und spüren, dass sie das Richtige tun, strahlen dies auch aus: sie dokumentieren in Körpersprache, Mimik, Gestik und Auftreten die erreichte Veränderung.

Lassen Sie sich von Ihrem Weg nicht mehr abbringen! Nehmen Sie die Stärke und Zuversicht, die Ihnen eine seriöse Verkehrstherapie geben kann und holen Sie sich mit dem Führerschein das Ihnen zustehende Recht auf Mobilität zurück. Denn wer das tut, was man legitimerweise von ihm verlangen durfte, braucht keine Angst zu haben. Er wird den Gutachter überzeugen, weil er selbst von sich überzeugt ist. Er wird als Mensch profitieren, wird autofahren und den Führerschein auf Dauer behalten. Und ist es verwegen anzunehmen, dass auch das negative Gutachten ein wichtiger Schritt auf diesem Weg war, die Chance, ein klein wenig aufzuräumen im eigenen Leben?

© 2017   Dr. M. Junker

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