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Medizinische Nachweise im Drogenfall

 

Welche medizinischen Nachweise benötige ich für die MPU? Diese Frage ist für zwei Personengruppen leicht zu beantworten. Wenn Sie ausschließlich wegen Punkteverstößen oder aufgrund einer strafrechtlichen Fragestellung eine MPU ablegen müssen, benötigen Sie keine medizinischen Belege. Die Untersuchung ist immer anlassbezogen, d.h. die Führerscheinstelle legt fest, welche Themen in der Begutachtung gestattet sind.

Dies bedeutet, dass der Arzt, der Sie am Tage der Begutachtung untersucht, weder Blut abnehmen, noch ein Drogenscreening von Ihnen verlangen darf. Auch sind weder ihm noch dem Psychologen Fragen über möglichen Alkohol- oder Drogenkonsum gestattet.

In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass der Psychologe oder Arzt in der MPU Sie bittet, einer Anlasserweiterung zuzustimmen. Sie müssen dies nicht tun, wollen aber auch nicht riskieren, deshalb in der Begutachtung in Nachteil zu kommen. Wenn Sie eine verkehrspsychologische Beratung bei mir oder einem Kollegen durchgeführt haben, sind diese Dinge vorab geklärt, d.h. Sie haben am Tag der Begutachtung keine Überraschung zu erwarten.

Somit benötigen nur Klienten, die wegen Alkohol- oder Drogenverstößen aufgefallen sind, medizinische Nachweise. Auf dieser Seite möchte ich Ihnen die Fallgruppe Drogen vorstellen. Wenn bei Ihnen ein oder mehrere Alkoholverstöße vorliegen, gehen Sie bitte auf die Seite „Medizinische Belege im Alkoholfall“.

Ausgangslage

Bei Drogenverstößen erscheint die Situation auf den ersten Blick sehr einfach: sie müssen Drogenabstinenz nachweisen. Sieht man sich jedoch etwas genauer in der Praxis der Begutachtungsstellen um, befragt man die Arten des Drogenkonsums und die Dauer der erforderlichen Abstinenz, so entsteht ein komplexeres Bild. Insbesondere im Falle ausschließlich nachgewiesenen Haschischkonsums wird die Sachlage verworren. Gerichte, Wissenschaftler und Begutachtungsstellen befinden sich auf der Suche nach einer klaren Formel, die bis heute nicht gefunden ist. Es ist auch in den folgenden Monaten und Jahren mit Veränderungen zu rechnen, die in Ihrem Fall einen wichtigen Unterschied ausmachen können.

Ich werde mit Ihnen die Möglichkeiten durchgehen, damit Sie sich selbst ein gründliches Bild machen können. In allen Fällen ist es zu empfehlen, die Sachlage mit einem Verkehrspsychologen zu besprechen. Denn nur die Prüfung des Einzelfalls kann klären, welcher Weg der Beste ist, welcher Nachweis unverzichtbar.

Welche Nachweise gibt es?

Prinzipiell haben Sie die Möglichkeit, Drogenabstinenz durch zwei Verfahren nachzuweisen. Sie können eine oder mehrere Haaranalysen beibringen und so für den erforderlichen Zeitraum Abstinenz belegen oder sie können dies mit Hilfe von Urinscreenings tun. Sehen wir uns diese Möglichkeiten an.

1. Haaranalyse

Hier haben Sie den Vorteil, auch für einen zurückliegenden Zeitraum Abstinenz belegen zu können. Wie Sie nicht anders erwarten werden, haben Wissenschaftler und Begutachtungsstellen sich eine Zeitlang nicht darauf einigen können, welche Haarlänge wie zu interpretieren sei. Während man zunächst davon ausging, das 1cm Haarlänge einem Monat entspricht, was eine milde Sicherheitsmarge beinhaltet, denn in Realität wächst Ihr Haar etwas schneller, haben findige Begutachtungsstellen ein Gegenargument vorgebracht. Da Haare ja nicht gleich schnell wachsen und man die Möglichkeit nicht ausschließen könne, auch langsam wachsendes Haar in der Analyse zu erhalten, sei ein vorsichtigeres Vorgehen angemessen. Im Zweifel seien die Werte zugunsten des „Angeklagten“ zu verwenden, was dann in der Praxis bedeutete, dass mit Werten von 6 bis 9 cm ein Jahr Abstinenz belegt seien. Auch einige Drogenlabore hielten sich an diese Vorgaben. Damit war natürlich im Wettbewerb um den Klienten ein entscheidender Vorteil erlangt, denn dieser suchte sich eben jene Begutachtungsstelle oder jenes Labor aus, welches bei vorliegender Haarlänge eine möglichst lange Abstinenz belegte. Dabei war dann paradoxerweise nicht die Haarlänge selber entscheidend, sondern der Zeitraum, den das Labor bestätigte bzw. den die Begutachtungsstelle verlangte.

Mit dieser Absurdität wurde inzwischen aufgeräumt und alle mir bekannten Begutachtungsinstitute sind wieder zur alten Formel zurückgekehrt. Auch die Fahrerlaubnisbehörden, die von sich aus ausreichende Drogenabstinenz fordern können, halten sich an diesen Grundsatz.

Wenn Sie also schon längere Zeit drogenabstinent leben und sonst keine Belege vorzuweisen haben, dann können Sie rückblickend wertvolle Abstinenzzeit gewinnen. Gehen wir für den Augenblick von einer Standardabstinenzzeit von einem Jahr aus, welche sie belegen müssen. Dann wird Ihnen jeder Zentimeter Haupthaar einen Monat Nachweis erbringen. Wie sollen Sie in diesem Fall vorgehen?

Erinnern Sie sich daran, wann sie definitiv zuletzt illegale Drogen eingenommen haben? Gehen Sie dann zum Haaranalytiker, d.h. einem forensisch anerkannten Institut und fragen Sie in der Sprechstunde, wie Sie vorzugehen haben. Es mag sein, dass der Analytiker Ihnen eine gewisse Sicherheitsmarge empfiehlt, d.h. Ihnen zwar eine Haarprobe der vollen Länge abnimmt, diese dann aber entsprechend für die Analyse kürzt. Es mag auch sein, dass er Ihnen empfiehlt, die Haare noch etwas wachsen zu lassen, bis Sie die Analyse riskieren. Denn – und dies macht die Haaranalyse bis zu einem gewissen Grade heikel: man kann, wenn man eine bestimmte Haarlänge analysiert, nicht mehr feststellen, wo sich Drogenreste befanden. Konkret heißt das, dass nur absolut drogenfreies Haar für die Analyse verwendet werden darf.

Sie müssen Sich darüber aber nicht sorgen, denn Haaranalytiker haben eine große Erfahrung darin, welches Haar sie für die Analyse verwenden und welches Restrisiko etwa zu langsam wachsender Haare sie dabei ausschließen. Bei dieser Gelegenheit oder bereits telefonisch vorab können Sie sich informieren, welche Manipulationen am Haar man Ihnen nicht empfiehlt. Denn – davon haben Sie sicherlich bereits gehört – könnte es sein, dass Sie durch entsprechend geschickte chemische Bearbeitung des Haares Ihr Haar unanalysierbar gemacht haben. Fragen Sie einfach den Haaranalytiker, denn die Wissenschaft entwickelt sich auch in diesem Bereich bestädig weiter – was Sie mit Ihrem Haar machen dürfen und was nicht. Sie wollen auf alle Fälle verhindern, dass der Haaranalytiker sich später weigert, Ihnen die Abstinenz zu bestätigen.

Alternativ bieten Ihnen die meisten Begutachtungsstellen an, die Haaranalyse erst am Tag der Begutachtung vor Ort durchzuführen. Sie können, müssen dies aber nicht tun. Ich empfehle Ihnen, dass Sie kurz vor der Begutachtung –als idealer Zeitraum seien hier etwa 3 Wochen genannt , damit das Ergebnis noch vorliegt – selber eine Haaranalyse bei einem anerkannten neutralen Institut, es muss dies nicht die Begutachtungsstelle sein, in Auftrag geben. Sie erhalten dann nach etwa zwei Wochen, also noch rechtzeitig vor der Begutachtung das Ergebnis und können beruhigt in die MPU gehen. Fälle, von denen immer wieder berichtet werden, dass nämlich nachträglich die Haaranalyse ein positives Ergebnis brachte, was bedeutet, dass die gut 500 Euro für die MPU zum Fenster herausgeworfen waren, lassen sich so vermeiden.

(Da Klienten, die meine Praxis besuchen, den genannten Rat befolgen, ist mir persönlich ein solcher Fall freilich noch nicht bekannt geworden.)

Bleibt noch die Frage, wie viele Haaranalysen sie vorbringen müssen. Früher galt nur eine Haarprobe von bis zu 6 cm als aussagekräftig, was bedeutete, dass Sie für einen Drogennachweis von einem Jahr zwei Analysen benötigten und dabei natürlich keinen unbelegten Zwischenzeitraum riskieren konnten. Heute scheint es so zu sein, dass auch eine Analyse von 12 cm genügt, wobei in einer Zeit kurzer Haarmode nur die wenigsten Klienten diese Länge auch wirklich bieten können. Damit kommen wir zur zweiten Nachweismethode, die Ihnen die volle Freiheit der Haartracht belässt.

2. Urinscreenings

Es ist auch möglich, die erforderliche Abstinenz durch Urinscreenings nachzuweisen, wobei ein Nachweisverfahren genügt. Niemand hindert Sie natürlich daran, sowohl Haaranalyse als auch Screening vorzulegen, doch das ist nicht erforderlich. Alle Begutachtungsstellen erkennen beide Verfahren als ausreichend an. Da nun aber die einzelnen Verfahren bei unterschiedlichen Drogen unterschiedliche Genauigkeit versprechen, können Sie – wenn Sie optimal den Wünschen der Begutachtungsstelle entsprechen wollen – dort anrufen, sich einen Arzt geben lassen und erfragen, welchen Nachweis man Ihnen empfiehlt. Auf meiner Webseite habe ich wiederholt darauf hingewiesen, dass Sie anhand der qualifizierten oder eben weniger freundlichen Antwort ein Indiz für die Serviceleistung haben und es Ihnen daher freisteht, nur bei einem Institut die Begutachtung in Auftrag zu geben, das Ihnen gerne und kostenfrei Auskunft erteilt.

Die Screenings müssen, damit sie verwertbar sind, forensisch gesicherten Kriterien genügen und das bedeutet im wesentlichen, dass sie nach dem zeitlichen Zufallsprinzip erhoben werden müssen. Für den fraglichen Zeitraum müssen Sie auf Abruf für eine Urinprobe bereitstehen. Wenn Sie ein Jahr Drogenabstinenz nachzuweisen haben, genügen sechs zufällige Urinkontrollen. Bei einem halbjährigen Nachweis wird man Sie viermal einbestellen.

Erinnern Sie sich noch daran, dass die Haaranalyse durch Manipulation boykottiert werden könnte? Dies gilt in gewisser Weise auch für das Drogenscreening. So schön es ist, dass der menschliche Körper bei reichlicher Wasseraufnahme den Ausscheidungsprozess beschleunigt, so gefährlich ist das für die Untersuchung. Denn wenn Sie kurz davor erhebliche Mengen Wasser getrunken haben, wird ein gewisser Kontrollwert – der sog. Kreatininwert – dies herausfinden und dann wird man behaupten, dass Sie das Screening „verwässert“ haben. Fragen Sie am besten den zuständigen Arzt und nicht mich, wie viel Wasser Sie definitiv trinken dürfen oder nicht, wenn Sie die Sauna besuchen. Ich hoffe, er wird es Ihnen sagen können. Doch lassen Sie uns weniger scherzhaft festhalten, dass bei üblicher Trinkmenge eine Verwässerung nicht stattfinden sollte.

Gibt es Unterschiede in der Beurteilung von Haaranalyse und Drogenscreening? Wie ich Ihnen oben schon sagte, werden beide Verfahren anerkannt. Es scheint aber so zu sein, dass dann, wenn Sie keinen rückwirkenden Zeitraum belegen wollen, d.h. soeben erst aufgehört haben, die Drogen zu konsumieren, die Screenings bevorzugt werden, da sie etwas empfindlicher als die Haaranalyse reagieren. Falls Sie sich also gerade erst zur Abstinenz entschlossen haben, kann es das Beste sein, wenn Sie sich sogleich zu einem Zufallsscreening anmelden. Sollten Sie hingegen später erst von der Notwendigkeit des Drogennachweises erfahren haben, schon seit längerer Zeit keine Drogen mehr nehmen und ausreichend Haupthaar haben, werden Sie die Haaranalyse vorziehen. Sie können beide Verfahren dann auch mischen, d.h. etwa bei ganzjähriger Nachweispflicht das erste halbe Jahr per Haaranalyse und das zweite per Screenings nachweisen. Sprechen Sie das mit einem Arzt des MPU-Instituts, bei welchem Sie die Begutachtung dann durchführen wollen durch. Notieren Sie sich den Namen des Arztes und bringen Sie diese Information zur Begutachtung mit, damit Sie dann auf Nachfrage den Sachverhalt darlegen können. Manchmal, doch dies ist meist kostenpflichtig, nehmen Klienten eine Beratungssitzung bei diesem Arzt und erhalten dann ein schriftliche Notiz, die sie dann natürlich am Tag der Begutachtung vorlegen können.

Zeitraum des Nachweises

Nachdem Sie nun also wissen, wie Sie die Abstinenz nachweisen können, werden Sie mich sicher fragen, welchen Zeitraum des Nachweises Sie erbringen müssen. Und hier kommen wir zu einem Sachverhalt, der ebenfalls in den vergangenen Jahren wiederholt kontrovers diskutiert worden ist und wohl auch in Zukunft Interpretationsspielraum offen lässt. Ich will Ihnen den gegenwärtigen Stand darlegen, doch sogleich darauf hinweisen, dass Sie auf alle Fälle ein persönliches Beratungsgespräch vereinbaren sollten, um Sicherheit zu haben. Denn – gerade im Falle von Cannabis – sind Rechtsprechung und Begutachtungspraxis einem beständigen Wandel unterworfen, was dann auch auf den Mindestnachweiszeitraum sich auswirkt.

1. Schwere Drogen

Beginnen wir mit dem einfachen Fall, den sog. schweren Drogen. Wenn auch hier Unterscheidungen zwischen Partydrogen wie Ecstasy und Drogen mit hohem Suchtpotential wie etwa Heroin oder Crack möglich sind, hat dies für die Begutachtung und Rechtsprechung keine Relevanz. Alle Drogen außer Haschisch werden als „schwer“ eingestuft und bei allen müssen Sie eine einjährige Drogenabstinenz nachweisen. Dabei ist es sogar unerheblich wie oft oder wie viele dieser Drogen Sie konsumiert haben. Ein einmaliger Konsum genügt. Auch ist es nicht erheblich, ob Sie dabei am Straßenverkehr teilgenommen haben oder nicht. Die Fahrerlaubnisbehörde hat das Recht, Ihnen nach Kenntnis des Sachverhalts die Fahrerlaubnis zu entziehen, eine MPU anzuordnen und Sie damit in die einjährige Nachweispflicht zu zwingen.

Natürlich sind Sonderfälle denkbar, etwa der, dass Sie einen erheblichen Konsum von Mohnprodukten geltend machen oder es mag sein, dass Ihr Konsum schon einen sehr langen Zeitraum zurückliegt und seither Abstinenz behauptet wird. Während wir den ersten Fall nicht wirklich seriös betrachten sollten, lässt sich im zweiten Fall im Gespräch mit der Führerscheinstelle klären, wie vorzugehen ist. Rechnen Sie damit, dass man auf dem Nachweis einer einjährigen Abstinenz bestehen wird. Übrigens muss Ihnen grundsätzlich der Konsum von Drogen nachgewiesen werden. Der Besitz reicht nach gegenwärtiger Rechtsauffassung nicht hin, eine MPU anzuordnen. Auch ist fraglich, ob die Führerscheinstelle legitimiert ist, Sie zur weiteren Abklärung des Sachverhalts zu einem Facharzt zu schicken. Auch hier empfiehlt es sich freilich, die Rechtsentwicklung zu verfolgen und in einem Beratungsgespräch sich zu versichern, denn die Fahrerlaubnisverordnung enthält einen Passus (§14 Abs. 1 S.2 FeV), der bei Drogenbesitz die Anordnung eines solchen Gutachtens erlaubt. Zuletzt dürfen Sie wissen, dass der Konsum nicht medizinisch nachgewiesen werden muss. Wenn Sie bei der polizeilichen Vernehmung oder beim Facharzt einen früheren Drogenkonsum eingeräumt haben, sind die Voraussetzungen zur Anordnung einer MPU erfüllt und damit können Sie sich im Falle der schweren Drogen auf einen einjährigen Abstinenzzeitraum einstellen.

2. Leichte Droge (Haschisch)

Einzig Haschisch nimmt eine Sonderstellung ein. Sie gilt als sog. „leichte“ Droge, was in den vergangenen Jahren zu erheblicher Verwirrung geführt hat. Nach einem frühen Urteil, welches den Besitz geringer Mengen von Haschisch quasi toleriert hatte, vollzog sich auch in der Begutachtungspraxis eine Wandlung. Während einst das Dogma der Abstinenz und der einjährige Nachweiszeitraum als unbestritten galten, kam es nun zu einer Differenzierung. Gedanken wurde laut, dass in besonders günstigen Fällen doch eine Trennung von  Haschischkonsum und Fahren möglich sei, was bedeutete, dass der Klient in der MPU überhaupt keine Abstinenz nachweisen musste, nur glaubhaft zu machen hatte, dass er Konsum und Fahren trennen konnte. Vorbild war hier das Alkoholmodell der Ordnungswidrigkeit, welches bei geringer Promille ein Trennen von Trinken und Fahren vorsah. Mit den Jahren – und wie Sie selber am besten wissen – der „Optimierung“, sprich: Intensivierung des Rauscherlebens durch Bong und andere Konsumtechniken, mit der Herstellung qualitativ höherwertigen Haschischs und der Erkenntnis, dass diese Droge große Teile der Jugend in Besitz genommen hatte, ja auch immer mehr Jugendliche psychisch davon abhängig wurden, zuletzt mit den leichten Nachweismöglichkeiten, die man der Polizei per Schnelltest vor Ort zur Verfügung stellte, was natürlich die Anzahl der Drogenfahrten nach oben schnellen ließ, hat in den letzten Jahren ein Umdenken, eine Gegenbewegung eingesetzt. Werfen Sie die Vorstellung eines Trennens von Cannabis und Autofahren über Bord. Sie ist ein juristisches Konzept, funktioniert aber nicht in der MPU. Es geht hier gar nicht darum, dass ein Autofahrer nach Haschischkonsum nicht 24 Std. oder länger warten kann, bis er sich ans Steuer setzt. Es geht darum, dass die Begutachtungsstellen davon nichts wissen wollen. Sie müssen im Falle von Haschisch Drogenabstinenz nachweisen. Dies ist der einfache Teil der Sache.

Die Frage freilich, welchen Zeitraum Sie nachweisen müssen, ist der schwere Teil und die Diskussion ist nicht abgeschlossen. Rechnen Sie damit, dass mit Blick auf diese Frage neue Entwicklungen eintreten.

a. der schwere Fall

Auch hier kann für den sog. schweren Fall die Frage noch relativ einfach beantwortet werden, denn das Gesetz unterschied zwischen einmaligem, gelegentlichem und regelmäßigem Haschischkonsum. Wenn Regelmäßigkeit vorliegt und dies bedeutet täglich oder fast täglich, was dann in der Begutachtungspraxis etwa mit mindestens dreimal pro Woche interpretiert wurde, ist ein einjähriger Abstinenznachweis zwingend. Dieser ist – wie bei den anderen Drogen – mittels Haaranalyse oder einem forensisch abgesicherten Drogenscreening zu leisten und das oben Gesagte gilt auch hier. Zwölf Zentimeter Haarlänge oder sechs zufällig erhobene Screenings innerhalb eines Jahres müssen Sie am Tag der Begutachtung vorweisen, um Aussicht auf ein positives Gutachten zu haben.

Schwer ist ein Fall auch dann, wenn zeitgleich mit Haschisch Alkohol konsumiert wurde, d.h. man Ihnen am Delikttag auch Alkohol per Blutprobe oder Atemalkoholprobe nachweisen konnte. Weiterhin werden Sie als schwerer Fall eingestuft, wenn Sie mehrfach in der Vergangenheit mit Haschisch in Erscheinung getreten sind oder – was natürlich selbstverständlich ist – irgendeine andere Droge konsumiert haben (s. oben).

Kompliziert wird der Fall, wenn nicht zeitgleich mit Haschisch Alkoholkonsum vorliegt. Nehmen wir an, dass Sie in der Vergangenheit einmal mit einer Ordnungswidrigkeit aufgefallen sind und nun – gute Zeit später – das Haschischdelikt begangen haben. In diesem Fall wird nach Ansicht der Begutachtungsstellen eine Einzelprüfung erfolgen. Welche Grenzwerte der Gutachter dabei berücksichtigt, wollen wir unten sehen.

b. der „leichte“ Fall

Wie sieht es nun aber aus, wenn nur gelegentlicher Konsum oder gar einmaliger Probierkonsum vorliegt, wenn eine psychische Abhängigkeit nicht unterstellt werden kann und wenn auch sonst günstige Bedingungen vorliegen, d.h. der Drogenkonsum über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum erfolgte und etwa kein Beikonsum von Alkohol vorliegt. In einem solchen und nur in einem solchen Fall kann der Gutachter noch immer von der Einjahresbedingung abweichen und ein halbes Jahr Nachweiszeitraum fordern.

Wenn Sie bis hierher gelesen haben, von der Vielzahl der Möglichkeiten noch immer nicht abgeschreckt sind und vielleicht selbst ein leichter Fall sein könnten, dann möchten Sie sicher gerne wissen, welche Kriterien es gibt, um eben dies zu bestimmen. Kann ein Gutachter objektive Belege vorbringen, um diese kritische Frage zu entscheiden?

Ich darf Ihnen verraten, dass diese Frage mehr als alle anderen die wissenschaftliche, die juristische und die psychologische Diskussion zu den Drogen beschäftigt hat und auch, dass gerade hier die nachhaltigsten Veränderungen zu erwarten sind. Sehen wir uns den gegenwärtigen Wissensstand an.

Tatsächlich hat man sich bei der Entscheidung, ob ein leichter Fall vorliegt, in der Vergangenheit auf scheinbar zuverlässige Laborwerte verlassen. Sehen wir uns auch diese näher an und vergleichen Sie die Werte mit jenen, die bei Ihnen vorliegen.

a. THC-Carbonsäure (THC-COOH)

Für die Frage, ob Sie öfters Haschisch genommen haben oder nicht, war nicht das reine THC ausschlaggebend, denn wie Sie wissen, wird es sehr schnell (je nach eingenommener Menge etwa nach einem Tag) im Körper abgebaut. Man nutzte vielmehr ein Stoffwechselprodukt des Cannabis, die TCH-Carbonsäure, welche länger im Körper verblieb (nämlich nach 6 Tagen noch zur Hälfte) und aus Gründen, die hier nicht weiter vertieft werden können, auf einen regelmäßigeren Konsum schließen ließen. Dabei waren zwei Dinge von Bedeutung. Zum einen die Höhe des THC-Carbonsäurewertes und zum anderen der Zeitpunkt der Messung. Je zeitferner vom Konsumende der Wert genommen wurde, desto gewichtiger war er zu werten, oder anders ausgedrückt. Ein bestimmter Wert unmittelbar nach Konsumende hatte nicht das Gewicht wie derselbe Wert Tage später.

Dies machte die Interpretation dieses Wertes außerordentlich heikel, denn Klienten konnten unterschiedliche Konsumangaben machen und damit die Aussagekraft des Wertes relativieren. Gerichte, Wissenschaftler und Begutachtungsstellen reagierten unterschiedlich auf diese Herausforderung. Zum einen wurde der kritische Grenzwert wiederholt verändert, zum anderen wurden Tabellen erstellt, welche in Abhängigkeit vom Zeitpunkt des Konsums aussagekräftig sein sollten. Was dabei herausgekommen ist, möchte ich Ihnen vorstellen. Dabei ist es unverzichtbar, auch auf die juristische Entwicklung einzugehen, denn sie hat das Vorgehen der Begutachtungsstellen entscheidend mitgeprägt.

Ende der 90er Jahre stellte ein ministerialer Runderlass fest, dass bei einem THC-Carbonsäurewert von weniger als 5 ng/ml ein einmaliger Konsum belegt sei und man den Verdacht auf einen gelegentlichen Konsum haben durfte. Diese Interpretation konnte sich jedoch nicht lange halten. Schon bald stellte der Bayerische Verwaltungsgerichthof fest, dass im Falle eines unmittelbaren Zusammenhangs zwischen Blutabnahme und Verkehrsteilnahme bzw. Konsum der Wert zu verdoppeln sei. Auch eine zweite frühere Annahme hat sich nicht halten lassen. Einst galt, dass zwischen 5ng/ml und 75 ng/ml der Nachweis des gelegentlichen Konsums geführt sei und – falls die THC-Carbonsäure über 75ng/ml lag – regelmäßiger Konsum gegeben sei. Das genannte Argument zeitlicher Nähe oder Distanz griff jedoch auch hier, so dass versuchsweise ein kritischer Grenzwert von 150 ng/ml angenommen wurde, welcher gelegentlichen von regelmäßigem Konsum trennen sollte. Auch der Grenzwert für den Nachweis gelegentlichen Konsums wurde erheblich angehoben und beträgt gegenwärtig 100ng/ml. Jedoch machte man die Beurteilung von einem weiteren Wert abhängig, nämlich dem reinen THC-Wert, der am Tag der Ordnungswidrigkeit erhoben wurde.

b. THC

Es wird Sie nicht überraschen zu hören, dass auch hier keine Einheitlichkeit vorliegt bzw. die Werte uminterpretiert wurden. Ausgangspunkt auch für die medizinische Beurteilung war ein juristisches Problem. Man durfte bei gelegentlichem Konsum nämlich nur dann eine MPU anordnen, wenn Zusatztatsachen gegeben waren, von denen die wichtigste das mangelnde Trennvermögen zwischen Cannabiskonsum und Verkehrsteilnahme war. Der Autofahrer musste also mit einem aktiven THC-Wert im Straßenverkehr aufgefallen sein, um die MPU-Anordnung zu ermöglichen. Auch hier schien zunächst ein juristisch sicher verwertbarer Laborwert vorzuliegen, d.h. man behauptete, dass ab 2ng/ml reinem THC im Blut der Betreffende unter Rauschwirkung am Straßenverkehr teilgenommen hat.

Nun werden Sie, falls bei Ihnen ähnliche Werte vorliegen, einwenden, dass Sie das Haschisch mit Sicherheit nicht mehr gespürt haben und ich will Ihnen das gerne glauben. Denn tatsächlich gibt es in der Literatur unterschiedliche Ansichten darüber, wann ein „Rausch“ beendet ist. Freilich sollten wir fairerweise einräumen, dass zwischen subjektivem Erleben und objektivem Sachverhalt keine absolute Deckung vorliegen muss. Wenn Sie bei mir eine Verkehrstherapie buchen, werden wir uns mit dem Phänomen der Abflutung beschäftigen. Es bedeutet, dass Sie, wenn Sie vom Rausch zur Nüchternheit kehren, einen bestimmten Drogenwert nicht mehr spüren, den Sie in der Anflutung gemerkt hätten. Anders ausgedrückt: sie fühlen sich relativ nüchtern, sind es aber nicht. Natürlich hat auch die Wissenschaft in dieser Frage kämpfen müssen, doch lassen Sie uns einfach davon ausgehen, dass mit Blick auf die Feinmotorik, die Wahrnehmung oder die Reaktion Beeinflussungen nicht gänzlich ausgeschlossen werden können. Kurz: wenn auch kein Wissenschaftler einen bestimmten Grenzwert gegenwärtig als absolut sicher benennen mag, haben Fachleute sich inzwischen auf einen solchen Wert geeinigt und daran werden Sie gemessen.

Der oben einst als sicher geltende Grenzwert von 2ng/ml blieb nicht unangefochten und wurde halbiert. Man vermeinte, dass bei  einem Nanogramm pro Milliliter eine Risikoerhöhung im Straßenverkehr gegeben sei und ordnete in diesem Fall probatorisch eine MPU an, wobei man die Höhe der THC-Carbonsäure mit berücksichtigen konnte. Es entstand eine komplexe Tabelle, in der alle Möglichkeiten verzeichnet waren. Bei niedrigem THC-Carbonsäurewert von weniger als 10ng/ml und einem THC-Wert von größer 1ng/ml und kleiner 2ng/ml schickte man den Klienten zu einem Facharzt, um abzuklären, welcher Art sein Konsumverhalten war. Danach ordnete man gegebenenfalls eine MPU an. Falls bei gleichem THC-Wert die THC-Carbonsäure über 10 aber unter 150ng/ml lag, wurde entweder die Fahrerlaubnis sofort entzogen oder man gab dem Klienten zuvor noch die Möglichkeit einer Anhörung. Bei Werten über 150ng/ml wurde die Fahrerlaubnis sogleich entzogen.

Nach einer Phase weiterer Verwirrung, in welcher die Fahrerlaubnisbehörden zunächst auf einen Entzug verzichteten, in kritischen Fällen ein Facharztgutachten in Auftrag gaben und dann – falls dieses keinen gelegentlichen Haschischkonsum erbrachte – keine MPU anordneten, dafür aber ein Drogenkontrollprogramm, hat sich die Lage inzwischen wieder etwas klarer gestaltet.

Der gegenwärtige Entscheidungsstand

Bei einem THC-Wert unter 1 ng/ml unterbleibt, falls nur gelegentlicher Konsum festgestellt wird (THC-COOH größer als 100 ng/ml, aber kleiner 150 ng/ml) und keine weiteren erschwerenden Momente (wie etwa der Konsum von Alkohol) vorliegen, die Anordnung einer MPU. Liegt der THC-Wert zwischen ein und zwei Nanogramm pro Milliliter und ist regelmäßiger Konsum durch mindestens 150ng/ml THC-Carbonsäure belegt, dann erfolgt eine MPU-Anordnung. Bei mehr als 2ng/ml wird in allen Fällen, d.h. auch bei geringer THC-Carbonsäure eine MPU angeordnet.

Nachweiszeiträume

Endlich kann ich Ihnen nun konkret sagen, was dies für den erforderlichen Abstinenzzeitraum bedeutet. Denn auch die Begutachtungsstellen mussten ihre Kriterien nach Maßgabe gesetzlicher und behördlicher Vorgaben anpassen und haben auf die Entwicklung reagiert. Gleichwohl – und dies macht den Fall bis zuletzt schwierig – handelt es sich um Kann-Bestimmungen. Gutachter und Begutachtungsinstitute müssen sich nicht identisch verhalten und daher wollen Sie zunächst durch ein Beratungsgespräch bei mir und dann durch Kontaktierung des Instituts herausfinden, ob für sie die nachstehende Möglichkeit existiert.

Hier also die Kriterien: falls Sie mit einem reinen THC-Wert von über 2ng/ml im Straßenverkehr aufgefallen sind, müssen Sie ein Jahr Drogenabstinenz nachweisen. Falls bei Ihnen zwischen ein und zwei Nanogramm pro Milliliter gemessen wurden und der THC-COOH-Wert unter 100 ng/ml liegt, ist, wenn sonst keine erschwerenden  Momente hinzukommen, ein Nachweiszeitraum von sechs Monaten ausreichend. Dabei wird der Gutachter dann Ihre sonstige Aufarbeitung der Drogenproblematik mit berücksichtigen. Wenn Sie also durch eine verkehrspsychologische Therapie vorzüglich geschult sind und auch sonst die Voraussetzungen günstig sind, d.h. Sie ein „leichter Fall“ sind, ist ein positives Gutachten mit halbjähriger Abstinenz möglich. Wenn zeitgleich mit dem Haschischkonsum Alkoholkonsum vorliegt, gilt der Einjahreszeitraum. Er gilt auch, wenn ein früherer Promillewert von über 1.1 vorliegt. Nur für den Fall, dass eine frühere Ordnungswidrigkeit unter Alkohol begangen wurde (d.h. der Promillewert unter 1.1 liegt), erfolgt eine Einzelfallprüfung.

Zusammenfassung

Bei Drogenkonsum wird im allgemeinen eine einjährige Drogenabstinenz gefordert, die Sie per Haaranalyse oder forensisch abgesichertes Drogenscreening erbringen können. Nur im Falle ausschließlichen Haschischkonsums kann eine Ausnahme gemacht werden. Liegt der reine THC-Wert unter 2ng/ml und der THC-Carbonsäurewert unter 100 ng/ml eröffnet sich die Möglichkeit einer halbjährigen Nachweispflicht. Der Konsum von Alkohol erschwert die Sachlage. Nur, wenn ein vergleichsweise niedriger Promillewert im Bereich der Ordnungswidrigkeit (kleiner 1.1) vorliegt und der Konsum zeitlich zurückliegt, kann im Einzelfall auch hier die Halbjahresfrist genügen.

Leider und vermutlich zu spät haben auch Sie erst von all diesen Dingen gehört und vielleicht sind Ihnen die Zusammenhänge einfach zu verwirrend. Vielleicht wissen Sie auch nicht, ob Sie ganz unabhängig von den konkreten Laborwerten überhaupt eine Chance in der MPU besitzen, denn neben diesen rein medizinischen Zusammenhängen spielen ja ganz andere noch eine Rolle, so etwa Ihre Persönlichkeit, Ihre sozialen Kontakte, Ihre berufliche Einbindung oder der Zeitraum Ihres Drogenkonsums. Ich empfehle Ihnen, dass Sie diese Fragen gemeinsam mit mir in einer Sprechstunde klären. Dann erst, wenn ich Sie gesehen habe und wir Ihren Fall gründlich besprochen haben, lässt sich Konkreteres sagen: die Vielzahl möglicher Fälle verbietet eine allgemeine Antwort.

Rufen Sie mich an! Vereinbaren Sie einen Termin mit mir! Gönnen Sie sich eine informative Sprechstunde. Reagieren Sie sofort! Ich helfe Ihnen, ich unterstütze Sie, damit Sie am Tag der MPU nicht mit leeren Händen dastehen!

© 2017   Dr. M. Junker

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