Interpretation

Interpretation

Der Promillerechner bietet Ihnen eine zuverlässige wissenschaftliche Abschätzung des getrunkenen Alkohols bei Annahme einer abgeschlossenen Alkoholresorption unter Nutzung der besten, in den letzten Jahren veröffentlichten Formeln der Literatur.

Der beste einzelne Wert

Sie haben die Eingabefelder des Promillerechners gewissenhaft ausgefüllt und sind auf der Ergebnisseite gelandet. Wenn Sie einfach nur wissen wollen, wieviel Gramm Alkohol der Betreffende nach Ansicht der Wissenschaft vermutlich getrunken hat, nehmen Sie die rot markierte Zahl unten in der mittleren Spalte. Es handelt sich hierbei um den besten mittleren Schätzwert, wie er in der Übersichtsarbeit von Posey-Mozayani (2007) unter Einbeziehung aller Vorarbeiten postuliert wurde. Unterstellt wird dabei ein stündlicher Alkoholabbau von 0.15‰.

Tabelle der Alkoholika

Die nachfolgende Tabelle gibt Ihnen eine Übersicht, wieviel Gramm Alkohol in welchem Getränk vorhanden sind. So können Sie bestimmen, welche Art von Getränk der Betreffende in welcher Anzahl getrunken haben muss, um die erforderliche Grammmenge reinen Alkohols zu erreichen.

Getränk
 

Menge in
Liter

Gramm
Alkohol

1 Bier

0.5l

20g

1 Wein

0.2l

20g

1 Sekt

0.1l

9g

1 Schnaps

0.02l

6g

Wie Sie sehen, enthält ein Bier (0.5l) 20g Alkohol; ein Schoppen Wein (0.2l) ergibt ebenfalls 20g Alkohol. Einen Sekt (0.1l) können Sie mit ca. 9g Alkohol taxieren, einen einfachen Schnaps (2cl) mit ca. 6g Alkohol. Damit würden in erster Näherung eine Halbe Bier bzw. ein Schoppen Wein zwei Sekt und drei einfachen Schnaps entsprechen.

Formel zur Berechnung des Alkoholgehalts einzelner Getränke

Sollte Ihnen das zu ungenau sein, können Sie die exakten Gramm Alkohol pro Getränk mit folgender Formel selber berechnen:

Gramm(Alkohol) = Volumenprozent * 8 * Menge(Liter)

Hierbei ist Gramm(Alkohol) die von Ihnen gesuchte Trinkmenge. Das Volumenprozent (= den Alkoholanteil) finden Sie auf jeder Flasche käuflichen Alkohols vermerkt. Bei Bier sind dies je nach Marke ca. 5 Vol%, bei Rotwein ca. 12.5 Vol% und bei Schnaps ca. 38 Vol%. Die Konstante 8 (oder genauer 7,9) bezeichnet die Dichte von Alkohol bzw. Ethanol und Menge(Liter) die Flüssigkeitsmenge des jeweiligen Getränks.

Bei einem Bier ist dies in Bayern ein halber Liter. Ein Schoppen Wein kann 0.2l oder 0.25l umfassen. Ein einfacher Schnaps wird mit 2cl = 0.02 Liter ausgeschenkt.

Gemäß dieser Formel enthält eine Halbe Bier zu 5 Vol.% 20g Alkohol, da gilt: Gramm (Alkohol) = 5 * 8 * 0.5 = 20g. Ein Schoppen Wein wäre: Gramm(Alkohol) = 12.5 * 8 * 0.2 = 20g und ein Schnaps berechnet sich zu: Gramm(Alkohol) = 38 * 8 * 0.02 = 6.1g.

Trinkeinheit

Wenn Sie sich die Arbeit erleichtern wollen, gehen Sie einfach davon aus, dass eine Trinkeinheit 20g Alkohol entspricht, d.h. in guter Annäherung einer Halben Bier oder einem Schoppen Wein oder 2 Glas Sekt oder drei einfachen Schnaps. Hat der Betreffende etwa 60g Alkohol konsumiert, d.h. 3 Trinkeinheiten, so wären das z.B. 3 Bier oder 3 Schoppen Wein oder 1 Bier, ein Schoppen Wein und 3 einfache Schnaps.

Differenziertere Betrachtungsmöglichkeiten

Der rot gefasste mittlere Wert von Posey-Mozayani (2007) ist die beste, heute verfügbare Abschätzung der vom Betreffenden getrunkenen Alkoholmenge. Sind Sie jedoch an einer differenzierteren Interpretation der Ergebnisse interessiert, dann können Sie Ihre Betrachtung in zwei Richtungen erweitern:

1. Sie können zum einen in der rechten Spalte je nach Interesse eine minimale oder maximale Alkoholmenge konsultieren. Der Minimalfall geht von einem Alkoholabbau von 0.1‰ pro Stunde aus, der Maximalfall von 0.2‰ pro Stunde.

2. Sie können weiterhin die Ergebnisse der einzelnen Autoren abrufen, wenn dies aus historischen oder juristischen Gründen erforderlich ist. So erhalten Sie neben der klassischen Formel von Widmark (Widmark BRD), die seit 1932 Verwendung findet und hier mit dem in Deutschland üblichen Faktor von 0.7 für den Mann und 0.6 für die Frau berechnet ist, eine von Seidl modifizierte Version der Widmark-Formel (Widmark +10%). Sie geht von einem Resorptionsdefizit von 10% aus, d.h. einer entsprechend zusätzlich getrunkenen Menge Alkohol.

Die Formeln von Watson (1981), Forrest (1986), Ulrich (1987 für Männer) und Seidl (2000) berücksichtigen zusätzlich zu den Formeln von Widmark das Alter sowie über die Körpergröße den Körpertypus. Dies ermöglicht eine genauere Berechnung der Trinkmenge, da sich unter sonst gleichen Bedingungen herausgestellt hat, dass ein jüngerer Mensch mit mehr Körperwasser auch etwas mehr Alkohol bei gleicher Promille konsumieren muss, ein Übergewichtiger nicht ganz die Menge seines reinen Übergewichts, ein Untergewichtiger etwas mehr als sein Untergewicht.

Sie sind eingeladen, die Formeln der Literatur beliebig zur Beantwortung Ihrer Hypothesen zu verwenden. Wenn es Ihnen darum geht, jene Menge herauszufinden, die der Betroffene mindestens getrunken haben muss, dann können Sie die Minimalmenge nehmen. Wenn Sie herausfinden möchten, welche Menge er höchstens getrunken haben kann, nehmen Sie die Maximalmenge. Wenn Sie die wahrscheinlichste Menge suchen, dann nehmen Sie die mittlere Menge.

Die Frage der Resorption

Die wissenschaftlichen Formeln und der Promillerechner gehen davon aus, dass die Alkoholaufnahme (Resorption) abgeschlossen ist. Dies bedeutet, dass der getrunkene Alkohol vollständig vom Magen und Dünndarm ins Blut übergegangen ist. Man geht im nüchternen Fall davon aus, dass dies nach etwa einer Stunde erfolgt ist. Sollte der Betreffende gut gegessen haben, mag die Aufnahme des Alkohols nach etwa eineinhalb Stunden abgeschlossen sein.

Eine solche Idealvoraussetzung liegt jedoch nicht immer vor. So ist es möglich, dass zwischen dem Trinkende und der Alkoholmessung weniger als die kritische eine Stunde im nüchternen Fall und eineinhalb Stunden im Fall der Nahrungsaufnahme liegen, was bedeutet, dass Reste von Alkohol noch nicht vom Magen/Dünndarm resorbiert sind. Es steht Ihnen frei, diese zusätzliche Alkoholrestmenge je nach Angabe des Betreffenden zur hier mit dem Promillerechner ermittelten Trinkmenge hinzuzuaddieren.

Schlussbemerkung

Wie Sie gesehen haben, gibt Ihnen der Promillerechner ein ideales Werkzeug an die Hand, die bei vorhandener Promille und nötigen Rahmendaten wahrscheinliche Trinkmenge zu bestimmen. Selbstverständlich lässt sich damit auch besser abschätzen, ob Aussagen eines Menschen zur getrunkenen Menge Alkohol glaubhaft sind oder nicht.

Bevor Sie aber dem Promillerechner diese Last der Wahrheitsfindung ganz anvertrauen, sollten Sie nicht vergessen, dass das Gedächtnis von alkoholisierten Menschen proportional zur getrunkenen Menge nachlässt bzw. ganz ausfallen kann (Alkoholbedingte Amnesie oder sog. "Filmriss"). Menschen erinnern sich daher insbesondere bei großen Trinkmengen oft an die zuletzt getrunkenen Alkoholika nicht mehr. Ein betrunkenes Gehirn ist zum einen ein schlechter Ratgeber relativer subjektiver Nüchternheit, zum anderen ein unzuverlässiger Bote der realen Trinkmenge. Die Frage der Ehrlichkeit müssen Sie daher unter Berücksichtigung Ihrer Menschenkenntnis, Ihres psychologischen Sachverstands und der Kenntnis der Trinkumstände und Person des Trinkenden beurteilen.

Literatur

  1. Widmark (BRD): Die in Deutschland forensisch bewährte Version der Widmark-Formel mit dem Widmark-Faktor r = 0.7 (s. z.B. Gilg, T. (2005). Alkoholbedingte Fahruntüchtigkeit: Beurteilung und Begutachtung in der forensischen Praxis, Teil 2. Rechtsmedizin, 15, 100). International üblich ist der Faktor 0.68, wie er im Originalwerk Widmarks auftaucht (Widmark, E.M.P. (1932). Die theoretischen Grundlagen und die praktische Verwendbarkeit der gerichtlich-medizinischen Alkoholbestimmung. Urban und Schwarzenberg: Berlin und Wien).
  2. Widmark (+10%): Die von Seidl (2000: 76, s.u.) vorgeschlagene Verbesserung der Widmark-Formel mit einem Resorptionsdefizit von 10%.
  3. Watson (1981): Watsons Formel (Watson, P.E., Watson, I.D. & Batt, R.D. (1981). Prediction of Blood Alcohol Concentrations in Human Subjects: Updating the Widmark Equation. Journal of Studies on Alcohol, 42(7), 547-556) in der angepassten Version von Posey & Mozayani (2007: 34, s.u.).
  4. Forrest (1986): Forrest, A.R.W. (1986). The Estimation of Widmark's Factor. Journal of the Forensic Science Society, 26, 249-252.
  5. Ulrich (1987): Ulrich, L, Cramer, Y. & Zink, P. (1987). Die Berücksichtigung individueller Parameter bei der Errechnung des Blutalkoholgehaltes aus der Trinkmenge. Blutalkohol, 24, 192-198.
  6. Seidl (2000): Seidl, S., Jensen, U. & Alt, A. (2000). The calculation of blood ethanol concentrations in males and females. International Journal of Legal Medicine, 114, 71-77.
  7. Posey-Mozayani(2007): Posey, D. & Mozayani, A. (2007). The Estimation of Blood Alcohol Concentration: Widmark Revisited. Forensic Science, Medicine, and Pathology, 3(1), 33-39.
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